100 Jahre nach dem Großbrand am 5. April 1913 in Nußdorf am Haunsberg

(Bericht aus der Chronik der FF Nußdorf am Haunsberg)

Salzburger Volksbote vom 9.4.1913

Großes Brandunglück in Nussdorf.

Am 5. April hat eine große Feuersbrunst die Bewohner von Nußdorf bei Oberndorf ins Unglück gestürzt. Es brannten die Kirche, acht Wohnhäuser, fünf Ökonomie- und zahlreiche Nebengebäude, im ganzen 21 größere Objekte vollständig nieder. Das Feuer entstand aus bisher unbekannter Ursache (Brandlegung wird vermutet) beim Gastwirt Gmachl, dessen riesiges Anwesen sich in wenigen Augenblicken in ein Feuermeer verwandelt hat.

Durch den herrschenden, heftigen Nordostwind begünstigt, griff das Feuer so rasch um sich, dass in einem Zeitraume von nicht einmal 20 Minuten die Kirche und sämtliche kranzförmig um die Kirche gruppierten Häuser in Flammen standen. Auch der mit Holzschindel gedeckte Turm fing zu brennen an. Bald stürzte das Holzgerüst des Turmes ein. Viele Mauerrisse bildeten sich im Turm. Vom Dache aus brannte es ins Innere der Kirche hinein. Die ganze Kircheneinrichtung, darunter die neue Orgel, ging zugrunde. Um halb 11 Uhr, als die Gefahr schon aufs Höchste gestiegen war, trug der Herr Pfarrer das Allerheiligste aus der Kirche heraus. Zwei Statuen (Herz Jesu und Muttergottes) und die Paramente konnten mit großer Mühe gerettet werden. Die drei Glocken im Gesamtgewichte von 700 Kilogramm sind vollständig geschmolzen und zugleich mit dem Dachstuhl hinuntergestürzt. Die Decke des Kirchenschiffes droht jeden Augenblick einzustürzen. Der Schaden, den die Kirche erleidet, beträgt mindestens 100.000 Kronen, die Versicherung nur 30.000 Kronen.

Die im Schmied-Zuhaus in Wohnhaft gewesene 66 Jahre alte Private Margarete Reichl wollte noch einige wertvolle Sachen in Sicherheit bringen und betrat die Wohnung als diese bereits brannte. Ihr Ehemann wollte Nachschau halten, doch da schlug ihm eine Stichflamme ins Gesicht, die ihn schwer verletzte. Mit Mühe konnte er noch ins Freie gelangen. Die Frau konnte sich nicht mehr retten und wurde Sonntagfrüh als verkohlte Leiche aufgefunden.

Die Namen der abgebrannten Besitzer sind:

Gastwirt Gmachl, Bäckermeister Zauner, Mesnerhaus, Schmiedmeister Adlgasser (samt Schmied-Zuhaus), Ökonom Rosenstatter (Schmidmaier), Krämer Oberreiter, Neuwirt Lindner und Jörgenbauer Lindner. Am Rettungswerk beteiligten sich 20 Feuerwehren mit 27 Spritzen und 109 Mann des 75. Inf.-Reg. Der Gesamtschaden wird auf mehr als eine halbe Million Kronen beziffert.

Bürgermeister (Gemeinde-Vorstand) war Josef Furtner.

Feuerwehrhauptmann war Sebastian Aigner (gestorben am 25.04.1913 mit 66 Jahren).

Beim Gastwirt Gmachl waren einige Schläuche, welche dort zum Trocknen im Wirtschaftsgebäude aufgehängt waren, verbrannt.

Die Kirche wurde vorher über 30 Jahre lang renoviert.

Im Einsatz waren sämtliche Feuerwehren des Bezirkes, viele aus dem benachbarten Bayern und Oberösterreich, die 3. Kompanie der FF Salzburg, und eine Kompanie des 75. Infanterie-Regimentes.

Feuerwehrzeitung vom 26.04.1913:

Es haben Augenzeugen bestätigt, dass es an diesem Unglückstage orkanartige Windstöße gab und dadurch die Feuerwehr durch "höhere Gewalt" verhindert war, den Brand auf die Ausbruchsstelle zu beschränken. Es sei die Frage aufgetaucht, ob die freiweillige Feuerwehr "unzulänglich" war.

Eine Erkenntnis aus diesem Großbrand war, dass "Nachschaffungen" notwnedig sind, um künftig eine Schutzwehr zu sein, welche in Zukunft Brände von so unglückseliger Ausdehnung hintanhalten sollten. Auch am Lande sei eine mechanische Schubleiter notwendig um gegenüber höheren Dachungen und Kirchturmbränden nicht ohnmächtig zu sein.

"Es ist aber fraglich, ob gleich zu Anfang schon an das Verstärken der Hydranten durch Unterlagen von Saugspritzen gedacht wurde? Es wird sich auch herausstellen, dass, wenn wirklich die Reichseinheitskuppelung schon bei den Feuerwehren eingeführt gewesen wäre, die Schlauchlegung geschwinder vor sich hätte gehen können. Bei Vorhandensein von Übersetzungsstücken hätte man das Kazser'sche Durchdruckverfahren mit Vorteil anwenden können. Und daher wird die Feuerwehr Nußdorf vieles nachzuschaffen haben, wozu die abgebrannte Gemeinde momentan nichts beisteuern kann."

Mehrere Aufrufe zur Spende sind ergangen.

Eine Welle der Hilfsbereitschaft folgte.

Der Spendenaufruf des Landesfeuerwehrverbandes galt für eine bessere Ausrüstung und eine neue, geräumige und feuersichere Zeugstätte mit Schlauchtrockenturm.

Die geplante Fahnenweihe musste auf das folgende Jahr 1914 verschoben werden (die Fahne war bereits fix und fertig).

Am 24. Mai 1914 wurden dann eine neue Zeugstätte und die neue Fahne eingeweiht. Es nahmen 68 Vereine und 9 Musikkapellen teil.

Noch im selben Jahr wurde der Löschzug Pinswag gegründet.

Der erste Zugskommandant (1913-1921) war Matthäus Gruber, Bindermeister von Nußdorf und Vater des späteren, langjährigen Hauptmannes Franz Gruber.

 

Verfasst von Johann Huber.

Quellen: Salzburger Volksbote (09.04.1913) und Feuerwehrzeitung (26.04.1913)